Dieses Kapitel soll mal gewidmet sein einem part-part-touristischen Lokal in Grand-Baie , das frei zugänglich ist und eine merkwürdige Mischung darstellt zwischen einem Lokal für Touristen und einem für Einheimische.
Es ist.: Das *Vieille Rouge*.: In der wohl bekanntesten Nebenstraße Grand Baies, der *salette road*, gibt es eines dieser wenigen Lokale, in denen gleichermaßen Einheimische wie auch Touristen -- aber natürlich keine *5-Sterne Pauschal-Touristen* -- verkehren.
Außerdem ist es auch immer überdurchschnittlich gut besucht.
Es ist kaum zu verfehlen: Wenn man von der *royal road* kommt - der Küsten- und Hauptstraße in Grand Baie - und am ehemaligen Grand Baie Store abbiegt in Richtung Super-U - ist es nach etwa 100 m auf der linken Seite.
Auch spielt dort fast jeden Abend Live-Musik.
Abends schlug ich dort gerne mein Quartier auf. Aus verschiedenen Gründen.:
Zum Einen wegen des gemischten Publikums.
Außerdem kommt man hier mit allen möglichen Leuten ganz ungezwungen und locker ins Gespräch.:
Mit Einheimischen wie auch Touristen -
und es gibt sogar eine kleine deutsche *Kolonie* dort, die sich ab und zu abends da trifft.
Außerdem gibt es dort auch viele kleine hübsche Szenen zu beobachten...
und ich war auch gerne da...nicht zuletzt wegen des Personals.:
Fangen wir an mit dem Chef.
Er ist ein Kreole, der -- offen gesagt -- aussieht, als würde er gar nichts taugen. Aber NUR auf den ersten Blick.
Gerade bei ihm kann man sich mit dem ersten Eindruck enorm täuschen.:
Fast unsichtbar...aber doch mit fester Hand führt und dirigiert er das Lokal und seine Angestellten.
Wenn man nicht gelernt hätte, scharf zu beobachten, würde man sein *Wirken* glatt übersehen.
Doch schon die Tatsache, daß er als Kreole ein Lokal führt ( und das über Jahre hinweg ) sollte einem ( positiv ) zu denken geben. Denn das ist ausgesprochen selten.
Vom Äußeren her wirkt er eher wie : Nach einer langen, durchzechten Nacht *frisch aus dem Hals gezogen*...
als hätte er gerade restlos ALLE Sünden der Nacht ganz intensiv hinter sich gebracht...
(Anm.: Hier darf der geneigte Leser seine Phantasie spielen lassen...)
...und wenn man ihn nach seinem Namen fragt, lächelt er verschmitzt und sagt.:
*Sunil*...so wie das Waschmittel*...in gebrochenem Deutsch...
Diese Selbstironie deutet auf ein gesundes Selbst-Bewußtsein hin...und, wie gesagt.: Man sollte sich NICHT in ihm täuschen...
Daß er den anderen, chinesischen Lokalen auf der Royal Road den Rang abgelaufen hat, sollte einem zu denken geben...genauso wie die Tatsache, daß es bei Touristen-Lokalen nun mal wenig *Stammkunden* gibt...
sein Vieille Rouge aber trotzdem immer gut gefüllt ist.
Dann ein ganz besonderer Mensch.: Der Barkeeper Jean-Philippe...genannt.: *Jeepee*.:
Immer komplett in schwarz gekleidet, Frisur mit einem Pferdeschwanz. Er sieht alles, hört alles, registriert alles.
Seine flinken Äuglein sind überall. Ein echter Profi eben als Barkeeper.
Einer wie aus dem Bilderbuch eines Grand-Hotels...in denen er auch sein Handwerk gelernt hat...offenbar sehr gut.
Wenn man ihn beobachtet, merkt man schnell, daß kein Handschlag *in die Luft* geht...und jeder Griff *sitzt*.
Er spielt fast unmerklich mit seinen Gästen...hier ein Witzchen, dort ein freundliches Nicken...und gerne auch ein Zwinkern mit den Augen...er ist unaufdringlich und doch immer präsent zugleich. Er animiert und sorgt für gute Laune...
Er beherrscht die ach so schwierige Balance zwischen.: *Nicht zu viel und nicht zu wenig*.
In seiner Gegenwart fühlt man sich einfach guuut. Man muß ihn einfach mögen.
Die Bedienungen für die Tische wechseln ziemlich häufig...so daß ich mir und den Lesern hier die Beschreibungen ersparen will.
Es gibt aber noch mehr interessante Persönlichkeiten im Vieille Rouge.
Zum Beispiel einige Musiker.:
Vorneweg der kleine lustige Sidol.: Der 38-jährige steht immer hinter dem keyboard, ist immer gut gelaunt,
lacht viel und ist auch gerne die Begleitung für die anderen, teilweise wechselnden Musiker.
Nicht zuletzt ihm ist die schöne nächtliche jam-session zu verdanken...eine Geschichte, die gleich folgt.
Ich habe mich mit ihm gerne unterhalten.: Er führt eigentlich ein schönes mauritianisches Leben.: Verdient für einen Mauritianer viel...und ist abends in dem Vieille Rouge oder einem großen Hotel musikalisch tätig und lernt so viele nette Leute kennen...und hat im gewissen Sinne.: *Jeden Abend Party*... Daher auch seine *immer gute Laune*...
Manchmal kommt auch abends eine ziemlich unscheinbare weibliche Sängerin - mit einer merkwürdigen altertümlichen schwarzen Hornbrille.
UNSCHEINBAR.? Jaa, aber nur so lange, bis sie anfängt zu singen.
Sie singt dann in dem Stil von Julie Driscoll (wer kennt denn die noch.? Etwa.: *Road to Cairo*.? )...
oder anderen weiblichen jazz-beeinflußten Sängerinnen.
(...wie etwa Chi Coltrane oder Genya Ravan oder heute Alicia Keys --> song.: 'Fallin' <-- etc ) .
Ein tolles Erlebnis für die, die auf diese Art Musik *stehen*. Besonders wenn sie *Summertime* nach George Gershwin interpretiert. Ein außergewöhnlicher Genuß.
Eine kurze Abschweifung sei mir erlaubt.: Irgendwie lädt ausgerechnet dieses Lied von G.Gershwin zu ( häufigen ) Interpretationen ein. Kennt noch jemand *Summertime* in der Version von Janis Joplin.?
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Genug abgeschweift...Mein Lieblings-Gast im Vieille Rouge ist aber eindeutig ein älterer schwarzer Musiker,
den ich anfangs für einen typischen US-Südstaaten Musiker hielt und den ich spontan für mich *John Lee Hooker* *taufte*.
Manchmal...wenn die anderen Musiker Pause machen...schnappt er sich eine Gitarre geht auf die Mini-Tribüne und fängt an zu spielen.:
Die ganzen alten Blues-Stücke. Die sehnsuchtsvolle Musik der Schwarzen in den Südstaaten.
Ich fragte ihn mal, was *Blues* ist, und er hatte eine schöne Erklärung parat.:
*Wenn du traurig bist...dann weinst du und vergießt Tränen.
Und der Blues ist wie die Tränen, die deine Seele weint. Danach fühlst du dich besser. Nach den Tränen und nach dem Blues*
Diese Interpretation ist von einem...der jahrzehntelang den Blues gespielt hat...und beruflich von Mauritius nach London *ausgewandert* ist um dort mit Größen wie Bo Diddley, Miles Davis, Buddy Miles, Bill Cox und auch Jimi Hendrix und anderen zusammengearbeitet hat.
Jetzt ist er alt geworden, hat sich in Mauritius ein Haus gekauft und spielt nur nach ab und zu im Vieille Rouge und einzig zu seinem eigenen Vergnügen.!
Dieses Vergnügen ist aber auch ganz auf den Seiten des Publikums. Und ihn zu hören ein echter Genuß.!
Wir haben uns lange unterhalten...und speziell über den späten Jimi Hendrix...d.h. die Musik seines letzten Lebensjahres, die so völlig anders ist wie Hendrix' sonstige, vorherige Musik. Manchmal gleicht diese *späte* Musik von Jimi sogar in ihrer Komposition der Musik von J.S.Bach.! *John Lee Hooker* und ich unterhielten uns lange über dieses Thema...und er wußte wirklich was darüber. Einer der ganz wenigen echten Insider.
Hoch interessant aber ist es, daß ein Mauritianer *so nahe dran* war.
Diese sind also einige der Personen, die im Vieille Rouge verkehren.
Jetzt zum Lokal selbst.:
Ich war schon seit Jahren, seit 1990 schon, immer gerne dort,weil es einfach sehr *kommunikativ* ist.:
1.:
Es gibt Möglichkeiten, dort viele verschiedene Menschen anzusprechen und kennenzulernen.
DAS...hat nun wahrlich nicht jedes Lokal...schon gar nicht in Mauritius...und ist m.E. eines der Haupt-Pluspunkte.
Man muß sich nur an die Bar stellen...schon klappts.:
3 Worte an *Jee-Pee*...einen drink und einen Musikwunsch an die Musiker
Ergebnis.: Das wars.: Man ist *mitten drin*
2.:
Ich wohnte keine 100 meter davon entfernt...was einen Besuch immer sehr angenehm macht
(=man braucht keinen Taxi-Fahrer)
3.:
Ich war daher abends gerne dort...wobei man einschränkend auch sagen muß.: Nicht jeden Abend ist dort *richtig was los*.
4.:
Allmählich hat sich dort auch eine *deutsche Kolonie* gebildet,die ab und zu (=unregelmäßig) dort tagt.
Also nicht nur deutsche Touristen, sondern Deutsche, die dort auch arbeiten...
5.:
Beste Zeit ist so ab etwa 17 / 18 Uhr ... bis etwa 21 Uhr.:
...da kann man am besten *alles abchecken*
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Apropos Musikwunsch.:
Manchmal spielen die Musiker auch (ohne Wunsch)
*Wir lagen vor Madagascar...*
...mit mauritianisch-kreolischem Akzent.: Zum Brüllen komisch...aber bitte trotzdem NICHT lachen.
Anbei.: Letztens habe ich ihnen die Unterlagen von BAP.: *Verdamp lang her* besorgt.
Vielleicht kann ja mal Einer berichten, ob die Musiker es in der Zwischenzeit können... vielleicht mit mauritianisch-kreolischem Akzent...??...oder das einfach mal als Musikwunsch fragen...
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Eine Jam-session im Vieille Rouge.: Eines schönen Abends war es einfach soweit.:
Es war einer der geheimnisvollen Abende, die überhaupt kein Ende nehmen wollten...
und auch Keiner der Anwesenden wollte das.
ALLE waren einfach gut drauf, das *alteingesessene Publikum* und die Musiker und die Angestellten...wobei ALLE wohl schon längst hätten Feierabend machen können...was wie durch Magie keiner wollte.
12 Uhr ( nachts ) ging vorbei...1 Uhr ging vorbei...und die einzige Frage war, wie der Abend wohl weitergehen sollte.
ALLE waren gut drauf...und zu irgendeinem Zeitpunkt setzte man sich spontan in die Mitte des Raumes ( Es war schon längst alles abgeräumt ) -- rückte die Stühle zurecht -- und startete eine regelrechte jam-session.!
Die Musiker brachten ihre Gitarren und Texte nach vorne und ein Stuhl diente auf einmal als *Schlagzeug-Ersatz* wo drauf getrommelt wurde...
Naturgemäß spielten wir überwiegend die Pop-songs aus den späten 60er und den 70er Jahren, die jeder kannte und abwechselnd zum besten gab.
Richtige Oldies wie.: *Bridge over troubles water* oder *House of the rising sun* oder diverse songs der Beatles, Rolling stones, Kinks und anderer Gruppen, die damals *unterwegs* waren.
JEDER gab was zum Besten...und die Zeit schien ein wenig still zu stehen.
Auch wenn es insgesamt ein harmloses Vergnügen war...so war es doch wegen der Spontanität sehr einprägsam und erinnerungswürdig.
Erst morgends um ca 4 Uhr ( oder später ) ging man dann nach hause.
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ABOUT the Vieille Rouge Restaurant in Grand Baie

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