
Einführung in die Münz-Geschichte von Mauritius geschrieben von Werner
Da ich Münzhändler bin,wage ich hier mal eine kleine Einführung in die Münzgeschichte vom Mauritius.
Hier in Kurzform, ausgiebig erst in meinem Buch, das demnächst erscheinen wird
Und für die, die kein Interesse an Münzen haben, erschließt sich hier ein völlig neuer Einblick
in die innere Befindlichkeit von Mauritius...
DENN :
Münzen sind immer ein total neuer Blickwinkel auf die Geschichte eines Landes.
Das kann ich Ihnen als Historiker wie auch als Münzhändler versichern...!!!
Interessiert..?? Nun denn..:
ALSO: Das Kuddelmuddel will ich in kürzester Form mal so darstellen:
Packen Sie Alles in einen Topf :
Java und Holland und England und Frankreich und Spanien und Mexiko
und Indien und Australien und die Karibik und Deutschland und
den internationalen Seekrieg zwischen 1710 und 1850 mit privaten und
*staatlich geförderten* Piraten, und rühren Sie es feste um und durch und dieser *Gulasch* ist die
Münz-Geschichte von Mauritius
Wiieee..?? Werden Sie sagen.?
All diese Länder haben mit der Münz-Geschichte von Mauritius zu tun?
Ich sage : JA...und hier ist die Geschichte :


1: Die Portugiesen entdeckten also die Insel kartographierten sie und segelten weiter...
2: Dann kamen die Holländer auf die menschenleere Insel, beuteten sie aus,
indem sie z.Bsp die Ebenholzwälder abrodeten,
waren außerdem für das Aussterben des größten einheimischen Vogels verantwortlich :
des Dodo
Stattdessen führten sie aus der ebenfalls holländischen Kolonie Java die Java-Hirsche in der Insel ein
und nannten sie nach ihrem Fürsten * Moritz v Oranien * :
MAURITIUS :
(latein. für Moritz.: unsere Insel heißt also eigentlich *Moritz*
Die Holländer zogen dann alsbald wieder ab
Dass wir uns ein Bild machen können von diesem recht kriegerischen Herrn und Namensgeber
der Insel (der sie aber selber nie betreten hat...) :
Hier zwei zeitgenössische Bilder
Erscheinungsjahr 1602
Erscheinungsjahr 1615
Die Historie / Geschichte, die jetzt kommt,ist reichlich abstrus und
erzählenswert ist sie allemal :
3.: DANN kamen die Franzosen:
Zuerst brachten die Franzosen. ihr Kleingeld aus frz-Indien mit,
später prägten sie extra für diese Region (d.h.: südl. ind.Ozean ) Kolonial-Münzen.
Hier zwei typische französiche (Silber-) Kolonial-Münzen.: Größe etwa wie 2 oder 5 Euro-cent
UND JETZT fängt das WIRRWARR an:
1744 strandete das Schiff St.Geran an der Nordküste v Mauritius:
(Übrigens : Der Ursprung der Legende von Paul&Virginie )
In dem Bauch dieses Schiffes waren neugeprägte
spanische Silber-Münzen.
Die Spanier ließen einige Silberschiffe von Mexiko nach Spanien rund um den Globus fahren,
um so die Engländer zu umgehen.)
Offenbar sind diese Münzen (große und mittleres Silber!) in Mauritius in Umlauf geraten...
(nicht alle...einige liegen noch unten ).Hier eine der (Mexico-) Münzen,die in der St.Geran gefunden wurden,
etwas Salzwasser-Spuren, sonst aber okayzen aus MEXIKO.
DANN:
IN Mauritius herrschte immer ein eklatanter Mangel an Kleingeld- und
Kleinsilber-Münzen:
Also: Ca. 1804 kaperten die Franzosen mehrere Schiffe ihrer
britischen Todfeinde mit frisch geprägtem brit. Kolonial-Geld aus Indien
und führten dieses Geld (des *Erzfeindes*) per Gouverneur-Erlaß in Mauritius ein.
Zwischendurch und zwischendrin galt natürlich nach wie vor das frz.Kolonial-Geld.
Und... kurz darauf...im Jahre 1810...
prägten die Franzosen ein wunderschönes,
großes Talerstück in Silber
40mm Durchmesser ca. 22g Silber !
Das einzige Stück, das jemals in Port Louis geprägt wurde!
Nach dem damaligen frz. Gouverneur von
*Ile de France* (frz.Name von Mauritius) Charles de Caen,
ist der Eigenname dieses *Talers* heute noch
*Piastre de Caen*.
Im Dezember des selben Jahres 1810 aber wechselte die Insel zu den Engländern.
Doch :
Nicht nur der *Code Napoleon*
( heute sagt man dazu : Bürgerliches Gesetzbuch ) blieb auf der Insel bestehen,
sondern natürlich auch die (frz.) Münzen, wohlgemerkt :
Jetzt auf einer englischen Kolonie !
Die britischen Besatzungs-Soldaten fanden sogar zu ihrer Überraschung ihre
indischen Kolonial-Münzen wieder, die hier schon längst in Umlauf waren...
DANN...(1820-1822!)
wurden Münzen mit einem Anker-Bild darauf geprägt,
als Symbol der Seemacht Groß-Britanniens.
Das Interessante dabei.:
Es waren gewichtsmäßig Teilstücke der franz. Groß-Münze (=Taler) von 1810 !
Folgerichtig hießen sie: 1/2 Dollar...1/4...1/8...
Ein 1-Dollar-Stück gabe es nie, das war ja das franz.Stück:*Piastre de Caen*
Dieses *anchor-money* wurde dann aber bald wieder eingesammelt,
in Schiffe verpackt und:
in die Karibik verschickt und dort in Umlauf gebracht in die dortigen Kolonien Englands...
DORT war es dann offizielles Geld in.:
Trinidad and Tobago, Windward Island, Barbados, Virgin Island, Jamaica und sogar Kanada.!
Wirklich und wahrhaftig EINE Münze für das ganze englische Empire.!
Und auch hier wieder eine ganz merkwürdige Verbindung zwischen Mauritius und der Karibik.
Man bedenke die geographische Entfernung...

DANN...(1822)
prägten die Engländer dann in Indien (Calcutta) Münzen für Mauritius,
aber mit französischem Namen!!!
Es gab zwei Stücke :
Zu 25 und zu 50 sous.! Hochinteressant die Inschriften.!
Hier das 50-sous-Stück.
Victoria (1837-1901)
1 Rupie
Dazu wurden parallel die (Privat-) Münzen der brit. *East-India-Company* eingeführt.
Zeitgleich auch die offiziellen indischen Münzen (Rupees und Teilstücke) mit den Bildern von
George III
George IV
William IV
Queen Victoria
George III (1760-1820)
George IV ( 1820-1830)


Victoria (1837-1901)
1/2 Rupie

William IV (1830-1837)
1 Rupee

William IV (1830-1837)
1/2 Rupee

Victoria (1837-1901)
1/4 Rupie












NICHTDESTOTROTZ
herrschte weiterhin ein Mangel an Silbergeld auf der Insel:
ALSO:
England setzte sich mit Erzfeind Frankreich friedlich in Verbindung
und kurz darauf wurde in der engl.Kolonie (engl. seit 20 Jahren !! )
französisches Silbergeld mit dem Bild des franz. Königs Louis Philippe
(1830-1848) in Umlauf gesetzt.
Ganz normales französisches Geld also...in der englischen Kolonie Mauritius !
1 Fr. und 2 Francs-Stücke.
IN GENAU der selben Zeit ( so um 1840 ) gehörten einigen DEUTSCHEN , die ALLE aus dem selben Ort in Deutschland stammten, eine Firma mit ca 1/7 der Insel Fläche und sie bebauten sie mit Zuckerrohr.
Zur Abwicklung des internen Zahlungs-Verkehrs in dieser Firma
(z.bsp. Einkaufen der Arbeiter im firmeneigenen Shop etc ) ließen sie Privat-Geld prägen,
das NUR innerhalb der Company gültig war. Sogenannte Tokens.
Auch die Löhne wurden teilweise damit
ausbezahlt.
v

Als Namen prägten sie den Namen des Ortes,aus dem sie stammten.: *Schoenfeld*.
Auf der einen Seite im ( deutschen !! ) Eichenkranz der deutsche Name: Schoenfeld und auf der Rückseite das Antlitz der jungen Queen Victoria.
Dazu aber dann der Name der brit.Insel in französisch: *Ile Maurice*
ALSO: Deutsch und englisch und französisch auf EINER Münze ! Es gab Tokens zu 1 ct und 2 cents

In den späten 1850ern wurde in Australien Gold gefunden und
die Briten immer praktisch veranlagt,
verschifften die in Sidney geprägten Goldmünzen
nicht nur nach England, sondern auch in ihre Kolonie Mauritius.
Eigentlich für den Zahlungs-Verkehr gedacht,
verschwanden diese Stücke aber sehr schnell in den privaten Schatullen.
Kaum importiert: Schon waren sie weg, zum Erstaunen der weißen Engländer ! Begründung :
Eine alte indische Gesetzmäßigkeit :
*Inder verkaufen kein Gold --
sie kaufen nur *
Gold und Goldmünzen sind nämlich die typische Mitgift für die
indische Tochter / Braut
und werden daher eifrig von den Eltern gehortet.
Und natürlich generell von allen Indern.
Hier das typische Goldstück dieser Zeit.:
Interessant die Rückseite : **Australia**

ERST ab 1877 beruhigte sich dann dieses WIRRWARR:
Da wurden erstmals Münzen geprägt mit dem Namen Mauritius darauf.
Zuerst die unteren Nominale:
1,2,5,10 u 20 cent
Hier als Beispiel für alle diese fünf ähnlichen Typen das 20 cent Stück
EINE meiner eigenen Entdeckungen für die Münz-Geschichte von Mauritius.:
Auf meinen Reisen in Mauritius, wo ich mich meistens, um nicht zu sagen :IMMER...abseits der Touristen-Pfade bewegte,
entdeckte ich,daß ganz bestimmte Münzen immer und immer wieder an denHalsketten der mauritianischen Frauen befestigt waren.
Immer wieder die selbe Münze und ich fragte nach, speziell bei meinen Freunden
und die zeigten mir diese spezielle Münze genauer :
Sie nannten sie : *GRIDNEY*...und die meisten Familien hatten auch mehrere Exemplare davon:
An Hals-Ketten und Armbändern gefaßt und auch *solo* also ungefaßt.
IMMER WIEDER die selbe Münze zuhauf in allen Familien der Einheimischen (Inder) ?
Das machte mich stutzig ...... und es war für mich als Münzhändler kein Problem,da an geeigneter Stelle nachzuforschen
und es stellte sich eine Neuigkeit und Überraschung heraus.
Es ist sozusagen mein eigener Beitrag/Neu-Entdeckung zur mauritianischen Münzgeschichte und ich bin auch etwas stolz darauf.
Die Engländer hatten natürlich laufend Gold im Umlauf, so wie es in dieser Zeit in ganz Europa üblich war.
Und das waren die Sovereigns und *Half-Sovereigns* aus England.
So auch in Mauritius, auch wenn die Gold-Stücke dauernd in den Privat-Schatullen verschwanden.
Eines Tages etwa um die Jahrhundertwende herum, schafften sie also vier Extra-Kisten von
*Half-Sovereigns* nach Mauritius, in der Hoffnung,endlich das Gold im normalen Geld-Umlauf zu etablieren.
DAS ERGEBNIS...:...war aber wieder das selbe wie zuvor :
Diese Stücke *verschwanden* wiederum in den Schatullen der Inder.
So arm die Inder in Mauritius in der Zeit zwischen 1830 und 1940 auch waren..:
Dafür hatten sie Geld.!UND: Das Gold gaben sie als Mitgift ihren Töchtern und deren Töchtern weiter
und manchmal - aber immer öfter - ließen die sie zu Schmuck-Zwecken auch beim Goldschmied fassen.
UND : Heute sind sie immer noch in den Hals- und Gold-Ketten der mauritianischen Frauen
und die laufen ganz normal damit rum, selbst wenn sie Bus fahren oder über die Straße laufen.
Auch haben sie diesen speziellen Münzen einen eigenen Namen gegeben,
was auch *etwas Neues* war.: *GRIDNEY*



Darüber galten die 1/4 und 1/2 und 1 Rupee-Stücke von der East India Company
mit dem Bild der Queen Victoria und später von Edward VII und George V.
Diese Rupees für Indien galten auch in Mauritius!
Auch in 1/4 Rp und 1/2 Rp Ausführung.!
Hier zeige ich auch mal die Rückseiten.
Noch was.:
Wenn man mal ganz genau hinschaut...hat die eine Rupee von Victoria das Jahr 1936,
es wurde also auch nach ihrem Tod weitergeprägt, eigentlich nicht statthaft.




AB 1934 dann etwas ganz Neues:
Es wurde ein neuer, erstmals Mauritius-spezifischer Münz-Typ eingeführt:
Die 1/2 Rupee mit dem Java-Hirschen darauf.
Ja...diesen Hirschen gab es noch in Mauritius, er vermehrte sich wild
und wurde sogar auf der Münze ein Symbol für Mauritius
( Er ist ja bekanntlich von den Holländern eingeführt worden )
UND :
Es ist wohl mit die dienstälteste Münze der Welt,
die unverändert in Größe und Beschaffenheit geprägt wird
einzige Änderung: Nickel statt Silber!
hier die halben Rupees von 1934 und 1946




Dazu kam dann auch ( zeitgleich 1934 )
die erste Rupee mit dem
Namen Mauritius darauf.
Nach Georg V kam bekanntlich Edward VIII, der nur kurz an der Spitze stand
und noch VOR der Inthronisation / Krönung abdankte.
Man hatte schon Entwürfe und Proben für eine *crown* oder eine neue Rupee für Mauritius,
aber durch die ziemlich schnelle Abdankung Edwards verschwanden diese Entwürfe
schnell in der Schublade.
Erst nach dem 2.Weltkrieg,
etwa in den 70 ern ( !! ) machte sich jemand die Mühe,
doch noch Stücke von den vorhandenen Stempeln zu schlagen.


Resumee :
Eine weitere verworrene Geschichte über die Münzen von Mauritius,
typisch und nicht die letzte dieser Art Geschichten.
weiter zum 2. Teil >

Annerose Thoms - Vermittlung von Ferienunterkünften & Ausflügen auf Mauritius
info@annerose-thoms.de
www.annerose-thoms.de - www.mauritius-tipps.de - www.mauritius-taxi.de
Festnetz: 0049 (0) 2351 66 45 24 - Handy: +49 151 153 46167
Mauritius Tipps online seit 2000
